,,Es gibt Bilder, die vergesse ich nie"

(mc, sj20/21, Schindellegi)

Interview mit Fotograf Martin Rütschi 

 

Wolltest du bereits als Kind schon Fotograf werden?

Ja, dass ist so. Das ist sogar ein bisschen anders, weil als ich 11 oder 12 war, habe ich fotografiert und dann hat mich eine Zeitung gefragt, ob sie das Bild drucken können. Für mich war dann wie klar: Ja ich werde Fotograf. Ich habe damals dann pro Bild 30 Fr. bekommen. 

 

Was war ausschlaggebend, dass du dich für die Fotografie entschieden hast?

Ich habe einfach sehr gerne fotografiert. Das hat mir einfach Spass gemacht. Wieso weiss ich gar nicht. Wenn man mehr übt, dann wird man besser und das war für mich ein sehr grosser Erfolg. 

 

Was fotografierst du am liebsten? 

Ich muss schon sagen, ich fotografiere sehr gerne Menschen. Ich mache so viele Portraits und mache aber umgekehrt in Afrika vom Jeep aus auch sehr gerne Fotos von Tieren.

Wer war die bekannteste Person, die du jemals fotografiert hast?

Schwer zu sagen, das weiss ich nicht, es verändert sich auch ein bisschen. Cindy Crawford, das ist ein Foto-Modell oder Michael Phelps, der hat Olympia Medaillen im Schwimmen gewonnen. Ian Thorps, der ist auch ein australischer Schwimmer. Oder Nelson Mandela, das ist ein Freiheitskämpfer von Afrika. Er wurde danach auch Präsident und hat einen grossen Teil seinen Lebens im Gefängnis verbracht. Aber ich kann dir eins sagen, ich fotografiere genauso gerne einen armen Fischer, wie einen Staatspräsidenten von Amerika. Ich finde das immer spannend.

 

Gibt es Fotos, an die du dich besonders gut erinnerst?

Ja, es gibt so ein paar Bilder, die vergesse ich nie. Interessanterweise sind es nicht immer die bekanntesten Bilder, die viel verkauft worden sind. Z.B. habe ich einmal in Tibet zwei Jungs (schwarz, weiss) fotografiert oder ich habe im Dschungel einen Ozelot (eine seltene Katzenart) mit einem Papagei zusammen portraitiert.

 

Wie viele Fotos hast du in deiner Karriere geschossen?

Ah, das weiss ich nicht, dass sind Millionen. Die Fotografie hat sich wahnsinnig stark verändert. Als ich angefangen habe zu fotografieren, gab es noch nichts Digitales, wie z.B. Handys. Ich hatte damals 8 Aufträge pro Tag gehabt. Jetzt habe ich weniger pro Woche. Rechnen wir mal 20 Jahre x 250 Tage = 5'000 Tage x7 Aufträge= 3'500 Aufträge von den ersten 20 Jahren x 100 mal abgedrückt. Das würde von den ersten 20 Jahren 3,5 Millionen Fotos geben. Das sind aber erst die ersten 20 Jahre und jetzt die nächsten 15 Jahre waren dann digital. Jetzt 3,5 Millionen Fotos und digital drückt man viel mehr ab. Das ist klar. Du hast grössere Speicherkapazitäten, der Film kostet nichts mehr. Jetzt nehmen wir die nächsten 15 Jahre x 200 Arbeitstage= 3'000 Arbeitstage x 2'000 pro Tag. Die ersten 20 Jahre 3,5 Millionen und in den nächsten 15 Jahren waren es 6 Millionen Fotos. Zusammen macht das rund 10 Millionen Fotos. 

 

Was für eine Ausbildung musstest du machen, um Fotograf zu werden?                                       Bei mir war das ein bisschen anders. Ich hatte ja wie gesagt eine kleine eigene Fotoagentur. Und da hatte ich regelmässige Aufträge. Ich habe zum Beispiel Fussball- oder Eishockeyturniere fotografiert und beim FC Luzern bin ich immer hingefahren für eine Zeitung. Ich war einfach fleissig oder motiviert zu fotografieren und hatte so meine eigene Fotoagentur mit 15 Jahren. Ich habe nach meiner obligatorischen Schule eine Berufslehre gemacht. Die Lehre habe ich eigentlich meinen Eltern zuliebe getan. Rückblickend muss ich sagen, die Ausbildung hat mich sehr viel weitergebracht. Ich habe viel gelernt, was ich später gebrauchen konnte.

 

Was fasziniert dich an deinem Job bzw. der Fotografie?

Was mich an meinem Beruf oder der Fotografie interessiert ist, dass sie für mich wie ein Tor ist. Wenn ich Koch, Fahrlehrer oder Banker wäre, wie käme ich dann ins weisse Haus ? Das ist eigentlich unmöglich. Oder wie komme ich in ein Atomkraftwerk, wenn die Brennstäbe ausgewechselt werden? Wie hätte ich das sonst alles sehen dürfen? 

 

Hast du ein Lieblingsfoto, wenn ja welches ist es?

Also ein Bild nicht. Es gibt einfach schon ein paar Bilder an denen ich hänge. Zum Beispiel dieser Ozelot. Von diesen 10 Millionen Bilder mich auf eines zu konzentrieren, das kann ich nicht.

 

Was war dein Karriere Höhepunkt?

Das ist für mich schwer zu sagen. Ich sehe mein Leben oder mein Beruf nicht als Karriere, sondern einfach als Fotograf. Ich war einer der ersten Fotografen, der das explodierte Kernkraftwerk fotografiert hat. Oder wir sind dem Abendteurer hinterhergeflogen, der mit dem Ballon um die Welt geflogen ist. Oder ich habe ein echtes Foto von einer Mondlandung geschenkt bekommen.  

Bilder © Martin Rütschi; mit freundlicher Erlaubnis für dieses Interview zur Verfügung gestellt.

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